Großes Rätselraten um PV-Zubauzahlen

Balingen/Wiefelstede, 02.03.2012, Bundesnetzagentur lässt mit aktuellem Datenmaterial weiter auf sich warten

Eine Frage beschäftigt die von den aktuellen Kürzungsplänen ohnehin aufgeschreckte Solarbranche derzeit besonders: Wie hoch sind die PV-Zubauzahlen für 2011 tatsächlich?

Großes Rätselraten, denn Klarheit darüber gibt es nicht wirklich. Bislang hüllt sich die verantwortliche Bundesnetzagentur noch in vornehmes Schweigen, was konkretes Datenmaterial angeht. Zufall angesichts der Rösler-Röttgen-Rasur in der Branche? Darüber wird in der Fachwelt laut Recherchen der Online-Ausgabe von „Photovoltaik - das Magazin für Profis“ trefflich spekuliert.

Anfang Januar hatte die Bundesnetzagentur höchst vage verlauten lassen, der PV-Zubau habe allein im Dezember 2011 bei rund 3000 Megawatt gelegen, fürs gesamte Jahr sei wiederum ein neuer Rekordwert erreicht worden. Das gab zumindest Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur jüngst bekannt und war auch online beim „Oldenburger Energiecluster“ (OLEC) zu lesen. Das entspricht laut OLEC umgerechnet in etwa satten 40 Prozent der gesamten Neuinstallation von 2011. Insgesamt dürfte sich der Zubau, so OLEC weiter, bei einer Leistung von 7500 MW bewegen.

Mittlerweile geht die Bundesnetzagentur für Dezember 2011 selbst zwar einen kleinen Schritt weiter und meldet, man halte generell nur „leichte Abweichungen“ für möglich, lässt eine exakt berechnete Zahlengrundlage aber weiter missen. Keine Frage, dass dies bei Solargegnern sogleich eine bereitwillige Debatte um die Förderung der PV-Energie auf die Agenda gerufen hat – und jetzt kommen Umweltminister Norbert Röttgen und Wirtschaftsminister Philipp Rösler mit ihren für die Branche verheerenden Kürzungsplänen aus der Deckung. Bernd Bodmer, geschäftsführender Gesellschafter der Balinger relatio-Gruppe, ärgert diese Hinhalte-Taktik der Bundesnetzagentur: „Warum kann man hier nicht einfach Ross und Reiter nennen? Schande dem, wer Böses denkt – aber Transparenz sieht anders aus…“

Zu allem Überfluss mehren sich laut dem Magazin „Photovoltaik“ kritische Stimmen aus der Solarbranche und dem Bankenwesen, die diese immensen Zubau-Zahlen allein für Dezember 2011 nicht bestätigen können. Während sich die Kreditinstitute fragen, wie diese PV-Projekte finanziell wohl vorangetrieben und abgewickelt worden sind, reagierten auch einige Modul- und Kabelproduzenten äußerst verhalten. Sie hakten nach, wo genau denn das verbaute Material für all die Anlagen hergekommen sein könnte? Zahlreiche Installationsunternehmen reagierten mit Erstaunen, weil sie einen solchen Mammutzubau in ihren eigenen Auftragsbüchern nicht entdecken können.

Auf Nachfrage des Photovoltaik-Magazins ließ sich Renate Hichert, Pressereferentin für den Bereich Elektrizität und Gas bei der Bundesnetzagentur, entlocken, dass die genannte Zahl von 3000 Megawatt PV-Leistung für den Monat Dezember „sehr belastbar“ sei. Außerdem werde detailliertes Datenmaterial, wie angekündigt, „voraussichtlich im März“ auf den Internetseiten der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Auf die Frage der zuständigen „Photovoltaik“-Onlineredakteurin Sanda Enkhardt, ob es unter Umständen zu Fehlern wie Doppelmeldungen gekommen sein könnte, räumte Hichert ein, das PV-Meldeportal sei an „einigen Tagen vor Weihnachten teilweise ausgelastet“ gewesen. Anhaltspunkte für auffällig viele Doppelmeldungen aus dieser Zeit lägen der Bundesnetzagentur aber nicht vor.

Bernd Bodmer nimmt dieses Zahlen-Hickhack zur Kenntnis – wohlwissend, dass es im schlechtesten Fall Öl ins Feuer gegossen und das Schicksal seiner Branche besiegelt haben könnte. Nicht verstehen kann er allerdings, dass sich die Bundesnetzagentur – immerhin sei bereits das erste Quartal 2012 zu zwei Dritteln vorbei – nicht sofort um adäquate Klarheit bemüht: „Gerade jetzt, wo unsere Branche aufgrund der radikalen Kürzungspläne am Scheideweg steht. Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber hier wäre Offenheit angeraten.“ Frank Rothacher, relatio-Geschäftsführer, indes kann nicht nachvollziehen, dass die Kilowattstunde Offshore-Windenergie höher gefördert werden soll als die gleiche Menge Strom vom Dach des eigenen Häusles. Mit viel bösem Willen, so spekuliert er, könne man vielleicht annehmen, das habe damit zu tun, dass Energiegigant EON nach eigener Aussage innerhalb von fünf Jahren unter die Top 10 der weltweit führenden Windkraftbetreiber gekommen sei. Und dort sitze Kanzlerin Merkel bekanntlich im Vorstand. Aber das sei womöglich nur Zufall. Quelle: relatio Unternehmensgruppe

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Eingestellt am 02.03.2012 von B.Birr
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